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17. Juni 2026 • Lesedauer 5 Minuten

DLA Piper Studie: USA und Großbritannien führen den Investitionswettlauf um Batteriespeicher an – Deutschland im erweiterten Spitzenfeld

Investitionen in Energiespeichersysteme konzentrieren sich auf eine begrenzte Zahl von Märkten mit besonders günstigen Rahmenbedingungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Capital Unlocks Capacity der internationalen Wirtschaftskanzlei DLA Piper, für die 550 Marktteilnehmer aus elf Ländern und Regionen zu ihrer Sicht auf Investitionen in Energiespeicher befragt wurden.

Der weltweite Markt für Energiespeicher entwickelt sich zunehmend zu einem institutionalisierten Markt: Innerhalb von nur fünf Jahren ist aus einem noch wenig gefestigten Investitionsumfeld ein institutioneller, regelbasierter Markt entstanden. Die DLA Piper-Studie untersucht, wie Investoren, Kreditgeber, Projektentwickler und Betreiber auf die wachsende Nachfrage nach Speicherlösungen reagieren und welche Faktoren ihre Marktbeurteilung maßgeblich prägen.

25 % der Befragten nennen die USA als attraktivsten Markt für Batteriespeichersysteme. Auf Platz zwei folgt Großbritannien, das 19 % der Umfrageteilnehmer für besonders attraktiv halten. Mit 14 % den dritten Rang belegt China als Weltmarktführer in vielen Bereichen der Batterietechnologie. 11 % der Befragten sehen Deutschland als attraktivsten Markt für BESS-Investitionen in den kommenden drei Jahren, gleichauf mit Kanada und Australien.

Auffällig ist, dass Investitionsentscheidungen weniger von kurzfristigen Marktchancen als vielmehr von der langfristigen Stabilität regulatorischer und kommerzieller Rahmenbedingungen abhängen: Investoren suchen laut dem Report weiterhin gezielt nach Märkten, die über regulatorische Stabilität und ein klares Geschäftsmodell verfügen. Dadurch hat sich Großbritannien – trotz seiner geringeren Marktgröße – als zweitattraktivster Investitionsstandort positioniert. Deutschland holt insbesondere bei Projektpipelines und Investoreninteresse auf.

Der Studie zufolge lenken Investoren ihr Kapital in jene Länder, in denen sie das größte Potenzial sehen, erfolgreiche Geschäftsmodelle zu standardisieren, zu wiederholen und zu skalieren. Maßgeblich sind dabei vor allem robuste lokale Lieferketten, vorhersehbare regulatorische Rahmenbedingungen, gesicherter Netzzugang sowie die Finanzierbarkeit vertraglich abgesicherter Erlösoptionen.

„Der steigende Energiebedarf durch künstliche Intelligenz und Rechenzentren treibt die Nachfrage nach flexiblen und skalierbaren Energieversorgungslösungen deutlich voran“, sagt Michael Cieslarczyk, Partner bei DLA Piper in Düsseldorf. „Davon profitieren insbesondere Batteriespeicher, die eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung wachsender Stromverbräuche übernehmen. Gleichzeitig rücken Märkte in den Fokus internationaler Investoren, in denen regulatorische Rahmenbedingungen und Geschäftsmodelle bereits eine zuverlässige Skalierung ermöglichen.“

 

Deutschland zählt zu den attraktivsten Speichermärkten in Europa

In Europa gehört Deutschland zu einer Gruppe von Märkten im erweiterten Spitzenfeld für Energiespeicher. Akteure aus China stufen das Land gar als zweitattraktivsten Markt weltweit ein. Besonders bei Kreditgebern genießt Deutschland hohes Vertrauen; Investoren überzeugt es mit vergleichsweise stabilen Marktstrukturen, verlässlichen regulatorischen Rahmenbedingungen und hoher Umsetzungssicherheit. 

„Internationale Investoren und Infrastrukturfonds positionieren Deutschland zunehmend als wichtigen Zielmarkt für großskalige Batteriespeicherprojekte. Treiber sind dabei insbesondere der fortschreitende Ausbau erneuerbarer Energien, zunehmende Volatilitäten im Stromsystem sowie ein strukturell wachsender Bedarf an Flexibilität“, sagt Dr. Manuel Indlekofer, Partner bei DLA Piper in München. „Im internationalen Wettbewerb um Kapital zeigt sich jedoch, dass Investitionen derzeit verstärkt in Märkte mit etablierten und verlässlichen Erlösmechanismen wie die USA und Großbritannien fließen. Für Deutschland wird entscheidend sein, inwieweit sich langfristig bankfähige und skalierbare Geschäftsmodelle etablieren lassen.“ 

 

Differenziertere Abwägung von Rendite und Risiko

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass sich der Markt weiterhin in einer Entwicklungsphase befindet und Investoren unterschiedliche Risikoprofile zunehmend differenziert bewerten:

In weniger entwickelten Märkten sind Kreditgeber dem Report zufolge zurückhaltender, wenn es darum geht, ungesicherte Marktpreisrisiken zu übernehmen. Zugleich zeigt sich der BESS-Markt ausgereifter, so dass Investoren eher bereit sind, Erlösschwankungen zu akzeptieren: 44 % tolerieren einen Anteil zwischen 21 % und 40 %. Dies spiegelt die Bereitschaft wider, für höhere Renditechancen zusätzliche Marktpreisrisiken in Kauf zu nehmen und so an Marktpotenzialen zu partizipieren. Insgesamt entwickelt sich der Markt in Richtung einer kombinierten Erlösstruktur, bei der ungesicherte Preisrisiken innerhalb klar definierter Grenzen strategisch mit vertraglich gesicherten Einnahmeströmen kombiniert werden.

 

Projektstatus als Attraktivitätsfaktor

Auch der Entwicklungsstand eines Projekts beeinflusst seine Attraktivität für Investoren. Fast die Hälfte der befragten Investoren (43 %) bevorzugt Projekte im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium gegenüber Greenfield-Projekten oder bereits in Betrieb befindlichen, vollständig risikooptimierten Anlagen. Für Deutschland zeigt die Studie indessen eine vergleichsweise hohe Offenheit gegenüber Projekten in frühen Entwicklungsstadien: 53 % der Befragten favorisieren Frühphasen- und Neubauprojekte gegenüber weiter fortgeschrittenen Vorhaben.

Die Hälfte der Befragten strebt eine interne Rendite (IRR) zwischen 11 % und 12 % an; lediglich 3 % suchen Renditen von mehr als 15 % und wären dafür bereit, deutlich höhere Risiken einzugehen. Auch das zeigt: Kapital wird bevorzugt dort eingesetzt, wo Unsicherheit begrenzt, nachvollziehbar und angemessen bepreist ist.

 

Institutionelles Kapital stärkt die Professionalisierung des Marktes

Insgesamt entwickelt sich der Markt weg von spekulativen Einzelprojekten hin zu professionellen Plattformen und institutionellen Investmentstrukturen. „Investoren agieren deutlich selektiver und legen zunehmend Wert auf Umsetzungsstärke, belastbare Projektpipelines und professionelle Governance-Strukturen“, betont Dr. Manuel Indlekofer. „Diese Entwicklung treibt die Konsolidierung im Markt voran und erhöht zugleich die Anforderungen an eine professionelle Projektentwicklung, Finanzierung und Transaktionsstrukturen“, resümiert Michael Cieslarczyk.

 

Hinweis für Redakteure

Für die Untersuchung wurde eine Stichprobe aus 550 Marktteilnehmern befragt, darunter Private-Equity- und institutionelle Investoren, Projektträger und -entwickler, Finanzberater, Geschäftsbanken, Entwickler von Energiespeichersystemen sowie unabhängige Stromerzeuger. Pro Markt nahmen jeweils 50 Personen teil: aus Großbritannien, den USA, Italien, Frankreich, Deutschland, Australien, dem Nahen Osten (VAE, Saudi-Arabien), Ostasien (Japan, Singapur), China, Kanada sowie Lateinamerika (Brasilien, Mexiko, Chile). Die Datenerhebung erfolgte zwischen dem 27. Februar und dem 9. März 2026.

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Energy Storage Unlocked

  • In den USA und Großbritannien ist das Interesse an Batterie-Energiespeichersystemen (BESS) am größten
  • Deutschland punktet bei internationalen Investoren mit verlässlichen Marktstrukturen und hoher Umsetzungssicherheit
  • Im internationalen Vergleich werden Frühphasen- und Greenfield-Projekte in Deutschland als überdurchschnittlich attraktiv bewertet
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